Zurück zur Selbstbestimmung – weg mit Herdentrieb

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    idgie
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    hier ein alter Beitrag aus dem Blog, der leider nicht mehr aufgerufen werden kann.
    Ich halte das Thema aber immer noch für sehr aktuell .

    Zurück zur Selbstbestimmung – Weg mit Herdentrieb, Konsumterror und Konformismus
    Kürzlich hab ich „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ von Hannes Jaenicke gelesen.
    Das fand ich sehr inspirierend.

    Längst diktiert die Werbung, wie ich zu sein habe.
    Es gilt, achtsam zu sein und selbst bestimmt zu agieren.

    Nicht die Werbung, nicht die sozialen Plattformen, nicht die aktuellen Trends, sondern unser eigener Verstand sollte uns den Weg zeigen.

    Wenn ich viele tolle Freunde haben will, muß ich natürlich die leckeren Küsschen im Hause haben. Und wenn nicht die richtigen Kartoffel-Chips da sind, kommen die Kumpels nicht zu mir zum Fußball kucken. Vermutlich bin ich auch eine schlechte Mutter, wenn ich nicht jederzeit die richtigen Vitamin-Bonbons aus der Tasche ziehen kann oder den tollen Pudding im Angebot habe. Mit der richtigen Schmerzcreme bin ich auch als Oma topfit, komme flott die Treppe runter und mein Enkel findet mich toll.
    Und die beste Freundin zeichnet sich dadurch aus, dass sie mir für meine Probleme die richtigen Mittel empfehlen kann, die zum guten Preis gute Besserung bringen.
    Längst diktiert die Werbung, wie ich zu sein habe.
    Da wird mir oftmals ein Mangel eingeredet, der eigentlich gar keiner ist.
    Fazit: Unzufriedenheit ohne Grund bzw. nur aus dem Grund, dass clevere Marketingstrategen etwas verkaufen wollen, was ich gar nicht brauche.

    Das geht sogar tief in’s allerprivateste Privatleben.
    Längst verrät mir jede Frauenzeitschrift, wann und wie oft ich welche Art von Orgasmen haben muss, damit die Beziehung auf Dauer erfolgt haben kann.
    Sonst klappt’s auch mit dem Nachbarn.

    Worum geht es hier eigentlich?? Geht es nicht um mich und meine Bedürfnisse?
    Aber welche sind das eigentlich??
    Wie oft werden mir Bedürfnisse eingeredet, die ich gar nicht habe.
    Vielleicht sollten wir beim ersten „HAB-WOLL-Impuls“ öfter einfach erst mal innehalten, nachdenken und überlegen, brauch ich das wirklich?
    Ein wenig mehr bewußtes Einkaufen und vielleicht auch mal ein wenig Konsumverzicht kann nicht schaden.
    Vielleicht sollten wir uns auf Emanuel Kant besinnen, der sagt:
    „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“
    Schluß mit Konformismus um jeden Preis.
    Ich muß nicht jedem Trend hinterherlaufen, um mich selbst als hippe Type unter Beweis zu stellen. Ich darf querdenken und muß nicht jeden Wahnsinn mitmachen.
    Sollen andere doch in Pokemon-Go Manier gegen Laternenpfähle rennen, ich mache meine Augen auf und denke wieder selbst.
    Ist es wirklich typisch für uns Deutsche und unsere „German Angst“, dass wir lieber eine Versicherung gegen solche Pokemon-Go-Unfälle abschließen (die soll es wirklich gegeben haben) als unser Hirn einzuschalten und mit breiter Brust zu sagen: ich mach da nicht mehr mit?
    Sind wir komplett rückgrat- und hirnlos?
    Ich habe über einen Test gelesen, wonach schon 4 jährige Kinder wissentlich und ganz bewußt die Unwahrheit sagen, um in der Gruppe nicht unangenehm auffallen.
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-konformisten-im-kindergarten-1.1173374
    Also, wenn alle rufen, dass Tomaten grün sind, dann ruf ich das halt auch?
    Ich bin kein Psychologe und mein Wissen über Dinge wie Gruppenzwänge und Konformitätsdruck ist laienhaft, aber ich finde, das erklärt tatsächlich eine Menge.
    Zum Beispiel auch, warum bei einem Unfall kaum geholfen wird, wenn viele Passanten da sind. Motto: lieber erst mal kucken, was die anderen machen.
    Das geht so weit, dass man selbst bei dicken Rauchwolken den natürlichen Fluchtinstinkt ausschaltet und sitzenbleibt, solange der Rest der Gruppe das auch tut.

    Ich finde, das ist auch das einzige Interessante an Trash-TV Sendungen wie Dschungel, Big Brother und Co. – dort lassen sich gruppenpsychologische Experimente in freier Wildbahn vorzüglich beobachten.

    Ich erinnere mich an eine Sendung mit zwei Gruppen, denen gesagt wurde, es ginge um Konfliktbewältigung.
    http://www.rp-online.de/panorama/fernsehen/ploetzlich-krieg-ein-experiment-bei-zdfneo-wie-entstehen-konflikte-aid-1.5504012
    Die Leute wurden fast unmerklich, aber doch gezielt gesteuert.
    Motto: „wir sind die Guten – die sind die Bösen“.
    Schon kamen Aggressionen auf. Dann kam als nächster Punkt dazu: „die nehmen uns was weg.“ Das Ergebnis: nackte Gewalt.
    Tatsächlich ging es darum, aufzuzeigen, wie Kriege entstehen. Es war schon ziemlich erschreckend, was da innerhalb von nur einer Woche passierte.
    Es scheint auch erwiesen zu sein, dass die sozialen Netzwerke für extrem selektive Wahrnehmungen sorgen können.
    Wenn ich dort beispielsweise häufig bestimmte politisch gefärbte Ideen poste und mich mit gleichgesinnten befreunde, bekomme ich immer mehr entsprechende Nachrichten mit dem gleichen Tenor. Das geht so weit, dass ich tief in einer Parallelwelt versinken kann und nur noch diese Realität glaube – und die echte Realität bleibt mit dem echten Leben außen vor.
    Scheinen gar nicht so selten zu sein – solche Informations-Blasen. Speziell am rechten Rand. Verschwörungstheorien, die einem komplett das Hirn vernebeln.
    Aber wir sollten alle auf der Hut sein.
    Also, ich versuche, mich künftig wieder mehr auf den guten alten Taucher-Spruch zu besinnen: Stop, think, act….
    Es kann auch im täglichen Leben, beim Einkaufen und sonstwo nicht schaden, erst mal kurz innezuhalten und nachzudenken, bevor man impulsiv handelt.

    Und bei den berühmten sieben R kommt das RETHINK auch als Allererstes.

    Rethink (überdenken)
    Refuse (ablehnen)
    Reduce (reduzieren)
    Reuse (wiederverwenden)
    Repair (reparieren)
    Recycle
    Rot (kompostieren)
    Es gilt, achtsam zu sein und selbst bestimmt zu agieren.
    Nicht die Werbung, nicht die sozialen Plattformen, nicht die aktuellen Trends, sondern unser eigener Verstand sollte uns den Weg zeigen.

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