Was ist besser: Fair-Trade Bananen oder keine Bananen?

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  • #1663

    Hey ihr lieben Menschen,
    es geht um Bananen und um alle anderen Lebensmittel vom anderen Ende der Welt. Ich bin mir nicht sicher, was ich aus ethischer & ökologischer Sicht tun sollte: komplett auf weit entfernt Angebautes verzichten, der Umwelt zu liebe, oder Bananen, Kakao etc. bio und im besten Fall mit fair-trade Siegel kaufen, um gute Arbeitsbedingungen und die Wirtschaft in den entsprechenden Ländern zu unterstützen. Vielleicht hat sich ja schon einmal jemand damit beschäftigt, wäre über eure Meinung sehr dankbar (:

    gepostet von PiaS am 27.10.2014

    Anmerkung der Redaktion:

    Wir wollen einige „Gute Fragen“ aus dem Utopia Website Archiv wieder hervorholen und sie in den Gruppen erneut zur Diskussion stellen. Wir glauben, dass die Antworten dazu spannend und wertvoll für verschiedene Nutzer sein können. Deshalb freuen wir uns auf euren Input.

    Die Antworten in der Gruppe sind mobile abrufbar und erreichen dadurch mehr Nutzer. Deshalb übertragen wir Fragen, die viel Nachfrage verzeichnen, zusätzlich zur „Guten Frage“ in unseren neuen Gruppenbereich.

  • #1664

    unkrautgourmet
    Teilnehmer

    Weniger ist mehr. Aus meiner Sicht ist es wichtig, generell weniger Importobst   (der Text gilt  auch für die Ananas,  die Goji-Beere, Reis, Vanille, Zimt und alle anderen Importprodukt, die bei uns nicht wachsen) zu kaufen. Das, was man sich dann gönnt, das sollte aber dringend auch fair gehandelt und ökologisch angebaut worden sind. Wenn jemand statt jede Woche ein Bündel Bananen zu konsumieren lieber nur jede  dritte Woche zur Öko-Fair-Version greift, dann ist schon viel gewonnen. Ein prinzipieller Verzicht ist kontraproduktiv. Er führt eher dazu, dass man dann doch irgendwann wieder Bananen isst und  denkt „ach, nun ist das auch egal“, und dann greift man wieder zur 08/15-Supermark-Banane und jeder gute Vorsatz ist dahin.

    Wenn jemand Bananen liebt, dann ist es heute so, dass wir die Möglichkeit haben, diese auch zu essen  – und wir haben die Möglichkeit diese sogar von einem kleinen Ökobauern irgendwo auf der Welt zu kaufen, der sich um den Erhalten der Natur und der Artenvielfalt vor Ort kümmert, und das sonst nicht könnte, wenn es uns Europäer nicht gäbe, die sich alle paar Wochen ein Bündel seiner Bananen gönnen können.

    Der Transport – das ist nun wieder ein anderes Thema. Da würde ich mir wünschen, dass die Fair-Trade-Bewegung hier auch Wege sucht, den Transport weiterhin zu optimieren und ihn so umweltschonend und CO2-neutral  gestaltet, wie möglich. Da gibt es noch Verbesserungspotential.

    Wir als Verbraucher haben es mit jeder Banane sprichwörtlich in der Hand in welcher Richtung sich die Erzeugung von jeder Art von Lebensmittel bewegt! Bewusst sollte der Konsum sein und deutlich weniger gierig.

    Dann darf man auch  das Schälen und Genießen einer jeden ökologisch angebauten und fair gehandelten Banane zelebrieren, die man ab und an isst, das gilt auch für eine Schokolade, die man nicht mehr wöchentlich futtert, das gilt für die Zimtsterne zu Weihnachten. Und weniger Importiertes, dass kann auch bedeuten, dass man sich plötzlich wieder  mit einheimischen Produkten befasst und alte Obst und Gemüsesorten für sich neu entdeckt. Davon profitieren dann die biodynamischen Landwirte bei uns wieder und die einheimische Natur. Damit ist dann jedem geholfen.

    • #1665

      Maria_L
      Teilnehmer

      Sehe ich ähnlich.

      „Ein prinzipieller Verzicht ist kontraproduktiv“
      Auch deshalb weil es ja viele Kleinbauern-Kooperativen gibt, die Fair produzieren und durch kompletten Verzicht abgestraft würden.

      Welche Maßnahmen bezüglich Transport würdest Du Dir konkret wünschen, @unkrautgourmet ?

  • #1666

    unkrautgourmet
    Teilnehmer

    Das erste wäre: mehr Transparenz. Der Hinweis darauf, wie Produkte überhaupt transportiert werden, wo sie zwischengelagert und evtl. auch weiterverarbeitet werden, wäre nötig, um konkrete Vorschläge zu machen. Das der Kakao z.B. ökologisch und fair angebaut wird, ist ja schon mal grandios zu wissen, aber Kakao ist noch keine Schokolade. Wie und wohin gelangt also die Kakaoschote zur Schokoladenfabrik? Wie wird sie dort verarbeitet? Wie und unter welchen Bedingungen von dort ins Geschäft transportiert? Über das, was zwischen der Schote und der Schokolade im Geschäft passiert, darüber gibt es zwar Informationen, aber die sind oft sowohl lückenhaft, für den Endverbraucher nicht einsehbar, oder man muss sich für jedes einzelne Produkt auf seinem gesamten Produktionsweg um jeden einzelnen Schritt die Informationen mühsam zusammentragen. Wer macht das schon?

    Beispiel Banane: Diese muss für den Transport von Ecuador nach Deutschland bei Temperaturen um 13-17 Grad verschifft werden. Die Bananen-Frachter werden also alle gekühlt. Was das an Schiffsbenzin kostet, entzieht sich meiner Kenntnis. Bei rund 1.300.000 Tonnen (!) Import-Bananen jährlich wird schon einiges zusammen kommen nur für die Kühlsysteme auf den Frachtern. Darüber hinaus werden die Transporträume über Entlüfter von Reifegasen befreit. Was das nun wieder für den Energieverbrauch bedeutet, entzieht sich mal wieder meiner Normalverbraucherkenntnis. Und was der Schiffsfrachter allein für die Strecke Ecuador-Bremerhaven an Benzin frisst, das kommt auf Schiff und Lademenge an. In Deutschland angekommen, kommt sie erst mal in Kühllager (das die Effektivität der Lager immer weiter optimiert und zukünftig generell mit Ökostrom betrieben werden, ist ein weiterer Wunsch in der langen Transportkette der geben Frucht) und von dort werden sie auf LWKs verteilt usw. Daher ist weniger Banane, gleich welcher Herkunft, deutlich besser, als die wöchentliche Ration.

    Unser Anspruch an die „perfekte Banane“ sorgt dafür, das Tonnen von Bananen kompostiert werden. So erhalten bei Stürmen während des Transports leider unzählige Bananen Macken und kommen nicht durch die Kontrollen. Sie werden aussortiert und meist kompostiert. Was für ein Wahnsinn. Wie groß die Lebensmittelvernichtung in der Produktions- und Transportkette bis zum Supermarkt ist, wird totgeschwiegen. Das lässt die Lobby wohl nicht gut aussehen und schadet dem Image diverser Bananenmarken. Und den Verbraucher möchte man damit ja nun auch nicht „belasten“. Auch hier würde ich mir mehr Transparenz wünschen.

    Als unwissender Gelegenheits-Öko-Fairtrade-Bananenesser würde ich mir also wünschen, dass z.B. die Kompostierung vermieden werden kann und von vornherein beschädigte Bananen einem anderen Absatzmarkt zur Verfügung gestellt werden. Ich würde mir wünschen, dass auf der Banane vermerkt ist, wie viele Bananen für diese eine vernichtet werden mussten, wie hoch die CO2-Bilanz auf ihrem Weg vom Ökobauern bis ins Geschäft ist und ob die Mannschaft der Bananenfrachter auch fair behandelt wurde. Ein Anfang. Bei mehr Transparenz fällt mir sicher noch mehr ein, als dieses in Anbetracht meiner gewaltigen Unwissenheit als Konsument kläglich erscheinenden Wunschs nach Transparenz. Zwischen Anbau und Essen liegt ein weiter Weg – bei jedem Produkt. Bei importierten Produkten umso mehr, daher versuche ich Importprodukte zu vermeiden. Sie mir dann aber ab und zu doch zu gönnen, das ist für mich echter Luxus und bewusster Konsum.

     

  • #1667

    Maria_L
    Teilnehmer

    Mehr Transparenz, Messung von Umweltauswirkungen durch gekühlten Transport ect. und eine Darstellung der Folgekosten würde ich mir auch sehr wünschen. Allerdings verbunden mit Auflagen und Ökosteuern für alle Produkte.
    Nicht nur für fair + bio gehandelte Produkte.
    Es geht nicht an, daß die Auflagen für die erhöht werden, die sich sowieso schon viel mehr bemühen und die „Guten“ Produkte dadurch noch teurer werden – in Relation zu der billigen konventionellen Massenware.

  • #1693

    juttar
    Teilnehmer

    Ein klares Commitment zu Bio finde ich so oder so empfehlenswert – nicht nur im Hinblick auf den eigenen Beitrag zur Umwelt und zum Erhalt der Gesundheit, sondern auch um den Handel zu beeinflussen. Würden mehr Verbraucher Bio kaufen, müssten die Anbaubetriebe reagieren und würden weniger Pestizide etc. einsetzen können!

  • #1911

    Iambulos
    Teilnehmer

    Ich schliesse mich den anderen an – was bringt es Fair Trade/Bio zu kaufen wenn das Obst einen unheimlich weiten Weg hinter sich hat um dann hübsch in der Supermarktauslage um die Ecke liegen zu können..

    Ich tendiere zu regional/saisonal kaufen, damit fahre ich am besten..

  • #1995

    azurzoirure
    Teilnehmer

    Es ist eben ein zweischneidiges Schwert, ich finde man muss auch den Transport als solchen betrachten. Wenn man den nachhaltiger machen kann, umso besser.

  • #7100

    SissyHofferer
    Teilnehmer

    Was versucht man durch einen Verzicht zu erreichen? Dass es absolut keine Bananen mehr hier zu kaufen gibt? Das halte ich für unwahrscheinlich. Daher ist für mich die beste Art, damit umzugehen, ein bewusster Kauf und ein fairer Kauf.

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