Offener Brief an Greta Thunberg – fridays for future

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    idgie
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    Omas 4 futureLiebe Greta Thunberg,

    vielleicht klingt es pathetisch, aber ich möchte dir sagen, dass du mir den Glauben an die Zukunft wieder gegeben hast.
    Seit ein paar Wochen geht die Bewegung „fridays for future“ durch die Medien.
    Tausende von Schulkindern und Jugendlichen gehen auf die Straße und demonstrieren für umgehende Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise.
    Das bewegt mich sehr.
    Ich gebe es zu: viel zu oft habe auch ich über die Jugend von heute geschimpft, die nur vor dem PC sitzt, sich von Fast Food ernährt und sich nicht für Politik interessiert.
    Mea culpa. Du belehrst mich eines Besseren.
    Viele Schüler werden für ihr vermeintliches Schulschwänzen drangsaliert, von der Schule und den Behörden mit disziplinarischen Maßnahmen bedroht und lassen sich doch nicht unterkriegen, ihr Engagement unbeirrt fortzusetzen.
    Dafür habe ich unglaublich viel Respekt. Weiter so! Ich bin stolz auf euch.
    Ihr habt absolut Recht mit eurem Anliegen. Seit ca. 40 Jahren sind die Probleme hinsichtlich Klimawandel allgemein bekannt. Immer wieder haben Wissenschaftler versucht, es auch dem Letzten zu erklären. Aber immer noch gibt es Menschen, die es nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.
    Manche davon sitzen sogar in sehr mächtigen, verantwortlichen Positionen z.B. im Weißen Haus.
    Aber auch die anderen Mächtigen dieser Welt haben bislang wenig getan, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen.
    Immer wieder gibt es Konferenzen mit endlosen Debatten über Kleinigkeiten. Da wird viel Zeit und Geld investiert, aber die Ergebnisse sind meist eher unbefriedigend. Man beharrt auf nationalen Interessen, zerfleischt sich über Details und es bleibt bei vielleicht gut gemeinten Absichtserklärungen. Aber wo bleiben die Maßnahmen zur konsequenten Umsetzung?
    Ich kann verstehen, dass ihr Kinder darauf nicht mehr länger warten wollt und endlich Taten fordert.
    Und du selbst, liebe Greta, wie geht es dir mit alldem?
    Hättest du erwartet, dass dein kleiner persönlicher Protest solche Ausmaße annimmt.
    Das muss sehr motivierend sein, zu erleben, wie immer mehr Menschen, inzwischen auch viele Erwachsene deine Idee aufnehmen und freitags für die Zukunft auf die Straße gehen.
    Unerträglich, dass es immer und überall auch Volldeppen und Trolle gibt, die nichts Besseres zu tun haben, als mit Häme, Diffamierungen, Beleidigungen um sich zu werfen, um die gute Sache in den Dreck zu ziehen. Ich hoffe, du lässt das an dir abperlen oder denkst an den Baum, den es nicht stört, wenn die Sau sich an ihm reibt.
    Apropos Bäume. Mich hat seinerzeit schon Wangari Maathai sehr beeindruckt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wangari_Maathai
    Sie hat seinerzeit angefangen, in ihrer Heimat Kenia Bäume zu pflanzen und damit nicht nur etwas für das Klima getan, sondern auch schnell gemerkt, dass dadurch Erosion verhindert wurde, landwirtschaftliche Verbesserungen und damit auch mehr Lebensqualität erzielt werden konnte.
    Sie hat 2004 den Friedens-Nobelpreis bekommen.
    Ihre Erfolge haben auch andere inspiriert.
    Felix Finkbeiner beispielsweise, der 2006 in der Schule über Eisbären zum Thema Klima kam.
    Sein Opa zeigte ihm den Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore und im Internet las es über Wangari und ihre Erfolge und er beschloss, ebenfalls Bäume zu pflanzen. Er gründete mit 9 Jahren die Organisation plant-for-the-planet und wurde damit unglaublich erfolgreich. Er hat im Alter von 13 vor den Vereinten Nationen geredet, wurde 2015 Europäer des Jahres und 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
    Inzwischen sind unglaubliche 14 Milliarden Bäume gepflanzt und die Billion Tree Campaign will noch mehr.
    https://www.plant-for-the-planet.org/de/informieren/idee-ziel
    Dabei ist klar, dass Bäume pflanzen allein uns nicht retten können.
    Aber sie verschaffen uns hoffentlich die Zeit, die wir brauchen, bis andere Lösungen greifen können.
    Also, es ist überfällig, aktiv zu werden. Wir spüren es doch alle.
    Immer mehr Rekordwerte beim Wetter, immer mehr Auswirkungen wie Tornados, Überschwemmungen etc.
    Immer mehr von der Klimakrise verursachte Ernteausfälle, die für Hungerkatastrophen, Flüchtlingswellen etc. sorgen. Und die Politik schaut weiterhin nur zu?
    Also, mach bitte weiter, liebe Greta.
    Ich unterstütze dich gern, auch wenn ich nicht jeden Freitag dabei bin, wenn ihr auf der Straße für eure Zukunft kämpft. Aber ich bin mir meiner Verantwortung bewusst, dass wir Alten auch was tun müssen, damit euch und nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft möglich ist.
    Ich bin so stolz auf unsere Jungend, die sich für ihre Zukunft einsetzt, sich für eine ihre Ziele engagiert und Interesse zeigt, die Welt zu verändern.
    Das gibt mir Hoffnung, dass es doch noch gelingen kann, die Dinge zum Besseren zu verändern.

    Liebe Grüße von deiner Oma Idgie von „Omas for future“

  • #7635

    sigrebe
    Teilnehmer

    „Omas for future“, was für eine tolle Idee idgie!

    Ich bin begeistert, gerne möchte ich mich deinen Ausführungen bedingungslos anschließen. Ich wünsche mir, dass Greta von deinem Statement Kenntnis erhält und sie weiterhin viele positive solidarische Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommt, die sie in ihrem beispielhaften Kampf für den Klimaschutz motivieren und bestärken.

    Zwingen wir sie nicht in die Knie, unsere Erde, denn sie schenkt uns Leben,
    noch einen Planeten wie sie wird es überhaupt nie wieder geben.
    Setzen wir den Weg so weiter fort, gibt es bald schon nicht mehr diesen Ort,
    das wäre der Anfang vom Untergang.  (Auszug aus einem meiner Songtexte)

    Dass letztendlich wir Menschen unsere Zukunft buchstäblich in der Hand haben, darauf macht auch folgendes treffende Bild (dpa-Foto) aufmerksam, über das ich im Netz gestolpert bin.

    „Der Klimawandel wird den Planeten Erde verändern – wie stark, das liegt noch in unserer Hand.“

    Quelle:  https://www.handelsblatt.com/was-sie-ueber-den-klimawandel-noch-nicht-wussten

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