Mehrkosten für Nahrungsmittel steuerlich absetzbar?

  • Autor
    Beiträge
  • #8110

    Aurum
    Teilnehmer

    Hi zusammen,

    rein aus Interesse: Eine Freundin von mir hat Zöliakie, sie verträgt kein Gluten. Deshalb muss sie immer auf Alternativen ausweichen, die sie trotzdem mit den nötigen Inhaltsstoffen versorgen. Das ist natürlich schwer und auch ziemlich kostenintensiv, wie sie mit berichtet hat. Ein Bekannter meinte, sie könnte das doch einfach von der Steuer als außergewöhnliche BElastung absetzen. Doch geht das denn wirklich. Ich kanns mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Hat jemand von euch schon mal was davon gehört?

    Gruß

  • #8114

    Kassiopeia
    Teilnehmer

    Soweit ich weiß sind diese Kosten nicht absetzbar. Allerdings gab es schon einen Fall der einem Finanzgericht vorlag. Hier mal ein Auszug:

    Aufwendung für Diätverpflegung ohne Abzug einer zumutbaren Belastung?
    Die Kläger waren der Auffassung, dass bei der infolge der Zöliakie entstandenen Arzt- und Diätverpflegungskosten ein Abzug nach § 33 EStG erfolgen müsse und zwar ohne Berücksichtigung einer zumutbaren Eigenbelastung. Das Gericht akzeptierte zwar die geltend gemachten Kosten als außergewöhnliche Belastungen, sah jedoch in dem Umstand, dass diese die zumutbare Eigenbelastung nicht überschritten und sich damit letztlich steuerlich nicht auswirkten keinen Verstoß gegen Verfassungsrecht, da jedenfalls das Existenzminimum nicht beeinträchtigt wurde.

    Des Weiteren liege auch kein Verstoß gegen das Gebot der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit vor. Auch der Umstand, dass das Risiko durch Zusatzversicherungen minimiert werden könne, spreche für die Berücksichtigung einer zumutbaren Eigenbelastung. Letztlich blieben die Kläger also auf allen ihren Kosten sitzen, die durch die Gluten-Unverträglichkeit entstanden waren.

    Quelle: https://www.aktuell-verein.de/gluten-laktose-co-sind-mehrkosten-fuer-nahrungsmittel-absetzbar/

    Die Kläger legten gegen die Entscheidung Revision ein. Ich weiß nicht, ob schon etwas neues dabei rauskam. Ich denke das Einzige was deine Freundin machen kann, ist die Belege zu sammeln und aufzuheben. Und die Entwicklung des Verfahrens zu verfolgen.

    Lg

  • #8121

    greene
    Teilnehmer

    Wegen meiner Neurodermitis konnte ich jahrelang die Kosten für verträgliche Nahrungsmittel von der Steuer absetzen (abzüglich der zumutbaren Eigenbelastung).

    Vor 3 oder 4 Jahren hat ein Sachbearbeiter unseres Finanzamtes das abgelehnt und außerdem fast alle anderen Ausgaben (Kosten für Arzneimittel etc) nicht akzeptiert. Begründung wegen den Lebensmitteln: Gerichtsurteil

    Ein Jahr später wurde unsere Steuererklärung von einer anderen Mitarbeiterin bearbeitet. Auch sie hat sehr viele Kosten nicht gelten lassen. Deshalb habe ich mit ihr telefoniert. Dabei hat sich heraus gestellt, dass ein Großteil der abgegebenen Privatrezepte (ALLES, was von der Steuer abgesetzt werden soll, muss inzwischen von einem Arzt verordnet werden) „verschwunden“ sind. Sie meinte, ich kann Einspruch einlegen und diesen schriftlich begründen.

    Fazit: Es kam ein Schreiben, dass ich ihnen mitteilen soll, ob ich meinen Einspruch zurücknehme. Falls nicht, sollte ich das begründen. Ich habe den Einspruch nicht zurückgenommen. – Siehe da: Plötzlich wurden ALLE meine Ausgaben (Arzneimittel, Behandlung bei einer Kinesiologin… ) akzeptiert.

    Ausgaben für Lebensmittel habe ich in den letzten Jahren nicht mehr bei der Steuererklärung geltend gemacht. Ich hoffe für  alle Betroffenen (besonders bei Glutenunverträglichkeit), dass die Ausgaben sehr bald wieder absetzbar sein werden, weil diese Lebensmittel extrem teuer sind. Es ist doch schon schrecklich genug, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen beim Essen sehr eingeschränkt ist (und die „erlaubten“ Nahrungsmittel nicht wirklich gut schmecken). Deshalb sollten Betroffene einen steuerlichen Ausgleich dazu erhalten (das sind ja sowieso nicht die vollen Mehrkosten gegenüber „normalen“ Lebensmitteln).

    Auf jeden Fall ist es wichtig, um sein Recht zu kämpfen.    😉

     

     

     

  • #8142

    Flitzekittel
    Teilnehmer

    Hallo Aurum!

    Die Kosten sind in Deutschland leider nicht absetzbar.

    Siehe Az. Finanzgericht Köln, Urteil vom 13.09.2018, Az. 15 K 1347/16 und Revision Bundesfinanzhof, Az. VI R 48/18.

     

    Gruß, Sibylle von miteigenenhaenden.wordpress.com

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.