Ist es inkonsequent Vegetarier zu sein?

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  • #1570

    Hallo liebe Community,

    ich hoffe ihr könnt mir bei meiner Frage weiterhelfen.

    Ist Vegetarismus inkonsequent? Und erfordert Veganismus zu viel Zeit, Einschränkung und Mühe?

    Ich bin eine 21-Jährige Studentin und seit Anfang diesen Jahres Vegetarierin. (…) Ich koche sehr gern und achte dabei auf regionale und biologische Produkte sowie eine abwechslungsreiche Vollwertkost. Das kann ich leider nicht immer so gut umsetzen wie ich das gern hätte, da mir manchmal einfach die Zeit dazu fehlt.

    Momentan schreibe ich an meiner Bachelorarbeit und im Oktober ziehe ich in eine andere Stadt und mache meinen Master in „Business Ethics & CSR-Management“. Dort möchte ich neben den Vorlesungen und studentischen Aufgaben jobben, weiterhin Yoga machen und Radsport betreiben, mich in der Regionalgruppe des VEBU engagieren, noch genug Zeit für meine Freunde, meinen Partner, meine weiteren Hobbys haben, jedes Wochenende in meine Heimatstadt fahren und mich ganz nebenbei auch noch gesund, vollwertig und vegetarisch ernähren.

    Ich weiß im Prinzip, dass das zu viel ist, bin aber nicht wirklich bereit Kompromisse einzugehen. Dennoch möchte ich mich noch viel mehr mit der vegetarischen und veganen Lebensweise auseinandersetzen. Auch unter dem gesundheitlichen Aspekt. Mein fehlendes Wissen über diesen Punkt ist auch einer der Gründe warum ich „nur“ Vegetarierin und nicht Veganerin bin.

    Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es besonders gesund ist, wenn man z. B. alle Milchprodukte einfach durch Sojaprodukte ersetzt, die ja auch nicht gerade billig sind. Für eine Umstellung auf die vegane Lebensweise benötigt man sicherlich erst mal viel Zeit um die neuen Produkte und die richtige Zusammenstellung der Kost zu erlernen.

    Hinzu kommt, dass, wenn man viele Freunde hat, die weder Veganer noch Vegetarier sind, man bei Treffen in Restaurants, Bars etc. oft stark eingeschränkt ist bei der Getränkewahl, da vegane Restaurants und Bars noch die absolute Seltenheit sind und das Angebot in „normalen“ Einrichtungen oft gering ist.

    Auch im Urlaub finde ich es sehr schwer. Als Vegetarier hatte ich so meine Probleme. Wir hatten Halbpension und für mich wurden zwar immer vegetarische Alternativen zubereitet, aber diese waren am Ende recht eintönig und alles andere als vollwertig und abwechslungsreich, weil einfach nur vieles weggelassen wurde. Als Veganer hat man dann ja so gut wie keine Chance. Dann wäre man wieder auf einige wenige Regionen und Unterkünfte angewiesen, die „veganerfreundlich“ sind. Da ich aber gern verreise und vieles sehen möchte, möchte ich mich auch davon nicht unbedingt einschränken lassen.

    Das sind die Hauptpunkte, die meiner Ansicht „gegen“ den Veganismus sprechen und mich noch daran hindern einen „Schritt weiter“ zu gehen, obwohl ich ihn prinzipiell als gut und richtig erachte. Ich befinde mich sozusagen in einer Zwickmühle, da ich den Vegetarismus eigentlich zu inkonsequent im Bezug auf die derzeitigen Umweltprobleme und die Ausbeutung der Tiere empfinde. Andererseits hilft es ja auch schon, wenn man 1 Mal in der Woche Fleisch weglässt (siehe die VEBU-Aktion: „Donnerstag ist Veggietag“) oder nur 1 Mal die Woche Fleisch konsumiert bzw. Bio-Fleisch konsumiert.

    Reicht das also wirklich schon aus und ist Veganismus zu radikal (auch gesundheitlich gesehen)? Oder ist Vegetarismus zu inkonsequent?

    Wie ergeht es euch und wie seht ihr das?

    Ich freue mich auf viele interessante Antworten!

    Liebe Grüße

    Peggy

    gepostet von Peggy1210 am 07.08.2012

    Anmerkung der Redaktion:

    Wir wollen einige „Gute Fragen“ aus dem Utopia Website Archiv wieder hervorholen und sie in den Gruppen erneut zur Diskussion stellen. Wir glauben, dass die Antworten dazu spannend und wertvoll für verschiedene Nutzer sein können. Deshalb freuen wir uns auf euren Input.

    Die Antworten in der Gruppe sind mobile abrufbar und erreichen dadurch mehr Nutzer. Deshalb übertragen wir Fragen, die viel Nachfrage verzeichnen, zusätzlich zur „Guten Frage“ in unseren neuen Gruppenbereich.

  • #1627

    Lachknubbel
    Teilnehmer

    Hallo Peggy – und alle anderen, die sich die gleichen Fragen stellen, also vermutlich eine ganze Menge Leute.

    Auch mir sind genau diese Gedanken schon oft durch den Kopf gegangen. Erstaunlich finde ich, dass ich, seit ich dann wirklich die „Vegan-Entscheidung“ getroffen und umgesetzt habe, viel weniger über eventuelle Unbequemlichkeiten und die befürchteten sozialen Nachteile grüble.

    Aber von vorne: Ob es inkonsequent ist, Vegetarier zu sein? Konsequenz hat ja immer was mit einem bestimmten Ziel zu tun. Wenn dein Ziel ist, mit deiner Ernährung die Umwelt möglichst wenig zu belasten, dann macht aus meiner Sicht eine vegane, regionale und saisonale Ernährung mit Bio-Produkten am meisten Sinn. Ad absurdum geführt wird die vegane Ernährung aus Klimaschutzgründen dann, wenn man nur noch Kokosöl nutzt, Fertiggerichte in Plastikverpackungen kauft und ständig Smoothies aus Ananas, Mangos und Bananen zubereitet. Damit ist dann eher niemandem geholfen.

    Also: Nicht auf ein Dogma vertrauen, sondern lieber auf den gesunden Menschenverstand.

    Was die wahrgenommenen Nachteile (Essen mit Freunden, in Hotels) angeht: Ich sage von mir selber, dass ich gerne „diskussionsfrei genieße“ – ganz im Sinne von leben und leben lassen. Ich bekehre also niemanden, aber wer fragt, der bekommt Antworten. Und klar, in manchen Restaurants gibt es immer noch verdammt wenig Auswahl an vegetarischen oder veganen Gerichten (wobei sich das, seit die Frage ursprünglich gestellt wurde – 2012 – schon enorm verbessert hat), aber irgendetwas findet sich immer. Alternativ bleibt ja auch immer die Möglichkeit, gemeinsam zu kochen. Das ist sowieso empfehlenswert, weil günstiger (Stichwort Studentenbudget) und man hat nur so wirklich Einfluss darauf, welche Zutaten genutzt werden und woher sie kommen (Thema bio, regional, saisonal).

    Ich persönlich halte es so, dass ich mir im Jahr 10 „Cheat Days“ erlaube, an denen ich „Nur“ vegetarisch esse, nicht vegan. Diese nutze ich für Situationen, in denen es nach meinen ganz eigenen Maßstäben „nicht anders geht“, oder wenn ich in einem Urlaubsland etwas Typisches probieren möchte, und es nun einfach nicht vegan ist.

    Was den Aufwand angeht, den du vermutest, Peggy: Ich finde Veganismus erstaunlich easy. Erster Vorteil: Mir ist seit einem Jahr keine Milch schlecht geworden. Und kein Käse. Ich kann hemmungslos Kuchenteig naschen, weil ich mir keine Gedanken um Salmonellen machen muss. Und ich bringe viel seltener den Müll raus, weil man Obst und Gemüse (im Gegensatz zu vielen anderen Produkte) unverpackt kaufen kann.

    Das Wissen kann man sich mit der Zeit aneignen, genau wie die Rezepte auch. Und ma ehrlich: Egal ob Omnivor, Vegetarier, Veganer, Paleo-Fan, Rohköstler – wir alle haben doch unsere Standard- und Lieblingsgerichte, die immer wieder auf den Tisch kommen. Das ist doch nur menschlich. Nur, weil man dann „Veganer“ ist muss man ja nicht jeden Tag was ganz ausgefallenes essen und gleich zum Food Blogger werden. Bei mir gibt’s auch oft Nudeln mit Pesto. Halt ohne Käse, und dafür mit Erdmandeln oder Hefeflocken 🙂

    So, jetzt ist die Antwort genauso lang geworden wie die Frage. Das Ganze ist für mich eben kein schwarz-weiß-Thema.

    Liebe Grüße, und guten Appetit, was auch immer ihr esst!

    Sarah

  • #1628

    tims
    Teilnehmer

    Ich selbst bin auch Vegetarier, vorwiegend aus ethischen Gründen. Veganismus finde ich an sich eine gute Sache, für mich persönlich ist das allerdings keine vorstellbare Option und das genau aus den Gründen, die auch in dem obenstehenden Text dargelegt sind. Ich esse oft auswärts, reise gerne und viel und vegane Produkte sind einfach extrem kostspielig. All das sind Punkte, die eine vegane Ernährung für mich zwar nicht unmöglich, jedoch sehr unattraktiv machen, da sie mit zu viel Aufwand verbunden sind.

    Viel wichtiger als zwanghaft zu versuchen, sich vegan zu ernähren ist doch eine bewusste Lebensweise. Milchprodukte lassen sich auch von regionalen Milchbauern beziehen und beim Eierkauf kann man darauf achten Bio- oder zumindest Freilandeier zu kaufen.

    Vegetarismus als inkonsequent zu bezeichnen finde ich nicht richtig, da man durch den Verzicht auf Fleisch schon einen wichtigen Beitrag leistet, um auf die oft schlechten Haltungsbedingungen aufmerksam zu machen, der Umwelt einen Gefallen zu tun und für die eigene Gesundheit ist es sicherlich auch nicht verkehrt.

  • #1629

    Findula
    Teilnehmer

    Ich bin seit fast 2 J. Veganerin und bin überrascht, wie vielfältig das Angebot ist. Um alles erstmal kennenzulernen, empfehlen sich online-shops, die eine breite Palette anbieten (  z.B.alles-vegetarisch.de, ist aber vegan oder veganic.de oder vekoop.de).

    Auf dem Land gibt es nur wenig, was mensch an Veganem direkt einkaufen kann.

    Vegetarisch zu leben ist ein Schritt in die richtigeRichtung, aber was ist mit den Tieren, die Eier legen, Milch geben? Die leiden weiter.

    Abgesehen davon, daß du – wie beim Fleisch auch – die gesamten Gifte/Medikamente/Antibiotika/Genfood / Hormone etc. mitißt, wozu auch  kranke/ tote Tiere gehören und sämtliche Schlachtabfälle.

    Durch die Massentierhaltung (und leider zunehmend auch auf vielen Bio-Höfen) werden fast nur kranke, überzüchtete und gequälteTiere „verwertet“, die dann im Schlachthof oder bei den elenden Tiertransporten weiter unglaublichen Qualen ausgesetzt sind. Diese Streßhormone kommen noch dazu.

    Milch aller Tiere (Schafe u. Ziegen werden dabei oft vergessen) ist nicht für den Menschen gedacht, sondern für die Jungtiere!

    Die bekommen aber einen billigen Mäst-Ersatz u. werden den Müttern direkt entrissen. Die Muttertiere werden ausgebeutet bis zum letzten Tropfen, um dann im Schlachthaus zu landen.

    VegetarierInnen nehmen alles, was sich bei der Massenhaltung von Hühnern und milchgebenden Tieren abspielt, inkauf.

    Der konsequente Weg gegen Tierleid ist also nur, vegan zu leben.

    Ein bißchen teurer, aber dafür mit gutem Gewissen essen, sich nicht weiter belügen zu lassen von der Fleisch- und Tier-Mafia und der Politik, die diese unterstützt.

    Ich habe auch Kritik an manchem Veganem ( z.B. zu viel Plastikverpackung).

    Es gibt sehr interessante und überzeugende Artikel mit gut recherchierten Infos bei provegan.info.de (newsletter) und bei Peta.de (30 Tage-Kurs kostenlos zum Start ins vegane Leben).

    Eine Fülle von veganen Rezepten gibt es dort und im net.

    Es lohnt sich, das alles mal auszuprobieren -und dabei zu bleiben, um konsequent sämtliches Tierleid zu vermeiden.

    Näheres, auch zur veganen Fütterung von Haustieren, unter [email protected]

     

     

     

    • #1631

      WernerMax
      Teilnehmer

      „Milch aller Tiere (Schafe u. Ziegen werden dabei oft vergessen) ist nicht für den Menschen gedacht, sondern für die Jungtiere!“

      So, so, von wem denn „gedacht“?

    • #1632

      Maria_L
      Teilnehmer

      „Auf dem Land gibt es nur wenig, was mensch an Veganem direkt einkaufen kann.“
      Warum?
      Ich dachte immer, Pflanzen wachsen bevorzugt auf dem Land.

  • #1630

    mariatheresia
    Teilnehmer

    Hallo, ich lebe seit 31 Jahren fleischfrei. Den Schritt zur veganen Lebensweise habe ich erst vor vier Jahren gemacht. Das ging nur, indem ich mir selbst anfangs noch ab und zu Ausnahmen gestattet habe. Mit der intensiven Beschäftigung über den Veganismus bin ich nach und nach konsequenter geworden, ohne dass es mir weh tat. Ich kann mich noch gut an mein letztes Stück Käse erinnern, welches mir überhaupt nicht mehr schmeckte. Ich bin sehr glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben, weil ich mit mir selbst im Reinen bin und ohne Gewissensbisse die wunderbar vielseitige vegane Küche genießen kann. In meinem Umfeld hat sich seitdem sehr viel zum Besseren gewandelt. Sogar unsere Betriebskantine bietet täglich vegane Kost an. Ich empfehle jedem, der sich mit dem Konsum tierischer Produkte irgendwie unwohl fühlt, es einmal auszuprobieren. Es macht glücklich! Im Internet gibt es jede Menge Rezepte und Infos (Peta, Albert Schweizer Stiftung, Vebu, etc.), oder örtliche Vegangruppen, die die Umstellung erleichtern. Wichtig: Vitamin B12 zusätzlich einnehmen! Bislang habe ich noch niemanden kennengelernt, der den Schritt bereut hat. Ich freue mich über jeden, der eine vegane Zukunft mitgestaltet.

  • #1633

    florianschmidt
    Teilnehmer

    Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst überlegen, warum man Vegetarier ist. Ist man Vegetarier, weil man nicht will, dass Tiere leiden, ist es inkonsequent, weil eben für Eier, Käse und Milch eben auch Tiere leiden. Insofern erschließt sich für mich die Sinnhaftigkeit des Vegetarismus aus Tierschutzgründen auch nicht. Wenn z. B. jemand seine Ernährung auf vegetarisch umstellt, und dadurch mehr Käse und Eier verzehrt, leiden am Ende vielleicht noch mehr Tiere deswegen. (Eine Kuh, die ein mehr oder weniger angenehmes Leben hat und „nur“ am Ende geschlachtet wird, leidet nur einmal, eine Kuh, die dauernd gemolken wird und zwangsgeschwängert und dann noch direkt vom neugeborenen Kalb getrennt wird, und schließlich auch geschlachtet, leidet viel mehr.) Das Ziel, Tierleid zu verringern ist (auch) möglich, seinen Fleischkonsum lediglich einzuschränken – man muss nicht verzichten – und auf die Haltungsbedingungen der Tiere zu achten, z. B. dass man keine Eier von Hühnern kauft, dessen „Brüder“ geschreddert werden und eben Fleisch vom Bio-Bauernhof (von Kühen, die erst gar nicht gemolken werden.) Sich vegetarisch zu ernähren, führt nicht zwangsläufig dazu, dass Tierleid eingeschränkt wird (Fleisch ausschließlich auf Bio-Höfen zu kaufen und auf Milchprodukte zu verzichten aber schon).

    Um Tierleiden gänzlich zu verhindern, gibt es zum Veganismus keine Alternative. Nichtsdestotrotz ist dieser für mich(!) auch keine Alternative. Die Idee, Tierleid zu verhindern ist schon gut, aber ich kann für mich nicht mit Gewissheit sagen, dass das „natürlich“ ist, ob das Schicksal (falls es so etwas gibt), oder Gott (wenn man an Gott glaubt) dies tatsächlich so vorsieht.

    Der Mensch isst eben von Natur aus Fleisch und hätte der Mensch niemals Fleisch gegessen, hätte sich sein Gehirn (vielleicht?) nicht so entwickelt, wie es sich entwickelt hat. Wir wissen auch nicht genau, wie wir uns entwickeln, wenn wir jetzt aufhören, Fleisch zu essen (und wider unserer Entwicklung zu handeln). Ein Indiz für die „Unnatürlichkeit“ des Veganismus ist für mich auch, dass Veganer künstliches(!) Vitamin zusetzen müssen, und es keine natürliche Methode dafür gibt. Also hat es die Natur nicht vorgesehen, dass Menschen kein Fleisch essen, denn Menschen brauchen B12 und die einzige natürliche Möglichkeit, B12 zuzuführen ist das Fleischessen (für mich ist deswegen absolutes Niemalsfleischessen unnatürlich.) Ich finde es nicht toll, dass Tiere wegen des Fleischessens leiden müssen, aber ich sehe keine natürliche Alternative. Manche sagen vielleicht jetzt, dass es evolutionstechnisch so vorgesehen ist, dass sich der Mensch vom Fleischfresser zum Veganer entwickelt, aber ich persönlich kann mir nicht anmaßen, zu entscheiden, ob dies so ist, oder nicht. Das eben Geschriebene hat damit zu tun, wie ich die Welt verstehe, wie/was ich glaube. Und das ist für jeden Menschen unterschiedlich, deswegen kann ich die Entscheidung ob Fleisch/vegetarisch/vegan nur für mich und niemals für andere treffen. Ich lebe also weder vegan noch vegetarisch, weil ich mich mit beidem nicht anfreunden kann, andere können dies und erkennen eine Sinnhaftigkeit darin, die ich nicht erkenne. Deswegen kann die Frage, ob es inkonsequent ist Vegetarier zu sein, nicht beantwortet werden, wir können lediglich eine Aussage dazu treffen, ob es für uns persönlich inkonsequent wäre, Vegetarier zu sein, bzw. ob es für einen persönlich sinnvoll wäre, vegan zu leben.

    • #1634

      Maria_L
      Teilnehmer

      „Ich finde es nicht toll, dass Tiere wegen des Fleischessens leiden müssen, aber ich sehe keine natürliche Alternative. “

      Das darf natürlich nicht dazu führen, daß man nicht mehr differenziert zwischen Tierhaltung mit mehr oder weniger Tierleid.

      Ich persönlich sehe mehr Potential, Tierleid zu vermindern, wenn viele Menschen dazu gebracht werden, ihren Fleischkonsum drastisch einzuschränken und den Rest zu gutem Preis aus möglichst artgerechter Haltung zu kaufen.

       

  • #1644

    Findula
    Teilnehmer

    für Maria L. (weiter oben): Leider gibt es weiße Flecken in Deutschland, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo du eben nicht oder kaum Obst/Gemüse/Veganes einfach so einkaufen kannst – irrsinnigerweise.

    Märkte gibt es kaum, und wenn, dann in erheblicher Entfernung, Bio-Läden ebenso oder sehr dubiose. Z.B.: Die Sonne scheint in den Laden, direkt auf die Bio-Eier, die ungekühlt dahingammeln bei über 20 Grad. Oder: Auf die Frage an einen Bio- Obst/Gemüse/Eierhof, wo denn die freilaufenden Hühner seien, gibts die Antwort: Im Stall wg. der Straße. Es gibt aber gar keinen Stall, und die Straße ist weiter weg, auf den vielen Wiesen ringsum nicht 1 Tier. Für die Eier liegen neue Aldi-Eier-Kartons bereit, gestempelt ist auch nichts, das Gemüse liegt schlapp in der Sonne oder drinnen in der Hitze und sieht schlecht aus. Preise mußt du für alles erfragen, wenn denn mal jemand kommt… Beide Verkaufsstellen sind mittlerweile zu, immerhin. Oder: Das Leinöl kommt aus Argentinien!

    Da bleiben dir nur die Discounter u. manchmal noch Edeka (auch kaum Veganes), mehr gibts nicht.

    Da sind die online-shops ganz hilfreich. Allerdings gibts da meist auch nur kleine Portionen, eingeschweißt in sehr viel Plastik, sodaß es meist kaum rauszukriegen ist.

    In den Städten dürfte das alles einfacher sein.

    • #1646

      Maria_L
      Teilnehmer

      naja, ich wohne ja auch in der ländlichen Einkaufs-Diaspora.
      Aber ganz so schlimm es dann doch nicht.
      Es gibt einen Bio-Hofladen, wo die Eier aus einer Mobil-Stall-Haltung mit Weideauslauf kommen. Das kann man sich jederzeit vom Wohlergehen überzeugen.
      Mit so WischiWaschi angaben würde ich mich nicht zufrieden geben, sondern würde mir den Stall zeigen lassen.
      Falls das nicht möglich ist oder abgelehnt wird, würde ich bei einem Bio-Hof Meldung machen an die zugehörige Bio-Kontrollstelle.
      Andernfalls ändern sich solche Zustände ja nie.
      Edeka oder ähnliche Supermärkte / Discounter sind für mich keine Alternative, weil alles Bio-Gemüse /-Obst in Minimengen in Plastik eingeschweißt verkauft wird.
      Diese Dinge kaufen wir übrigens über die Öko-Kiste, soweit wir es nicht im Garten haben, was sich auf dem Land natürlich anbietet.
      Gibt es bei Euch in der Region evt. auch so eine Ökokiste / Bio-Lieferdienst?

  • #1647

    Findula
    Teilnehmer

    Wie geschrieben, die Läden existieren nicht mehr. Einen Stall gabs auch nicht.

    Bio-Kiste: Hier wird nicht beliefert, alles zu weit weg, müßte mit der Post als Paket geschickt werden, was die Dienste nicht machen wollen aus guten Gründen und mir nützt das auch nichts.

    Habe mal Bio-Leinöl aus der Region gekauft (ca. 400 km Entfernung), das schmeckte dermaßen scheußlich und widerlich, daß ich bei dem Nicht-Bio-Leinöl aus Österreich bleibe, das leckerste, mit viel Bodensatz, richtig nussig. Auch der Bio-Bauer filterte die wirklich wertvollen Inhaltsstoffe raus, sodaß das Leinöl klar wird. Dieses durchgängig zu beobachtende Verhalten läßt nicht auf Sachkompetenz schließen.

    • #1651

      Maria_L
      Teilnehmer

      Tja, da wäre es ideal, Dein Gemüse selbst anbauen.
      Das Land dafür sollte ja wenigstens einfach zu haben sein.
      Bei uns werden momentan viele s.g. Krautgärten günstig abgegeben.
      Das ist ein Feld, auf dem einzelne Parzellen vermietet werden, schon seit Jahrzehnten. Also eher eine sehr unbürokratische Kleingartenanlage.
      Hochverarbeitete vegane Produkte aus dem Supermarkt wären für mich auch keine Alternative.

      • #1652

        Findula
        Teilnehmer

        Ja,Gemüse selbst anbauen wäre die logische Konsequenz, ist aber für mich persönlich nicht machbar.

  • #1650

    chilma
    Teilnehmer

    liebe Stefanie,

    ja, es ist inkonsequent; & nein, keinesWegs ist die vegane LebensWeise mühevoll & entbehrungsreich, im Gegenteil! 🙂

    vor einigen Jahren stand ich ziemlich genau an dem Punkt, wo Du jetzt stehst: ich fand, dass Veganer recht haben, aber dass ich nie einer von ihnen würde – ich hatte zu viele Zweifel. aber ich konnte es nicht lassen, mich weiter & weiter zu informieren, sodass nach & nach, Stück für Stück, alles Tierische sozusagen von mir abfiel & durch gesunde, leckere vegane Varianten & Entdeckungen abgelöst wurde. eines Tages stellte ich verblüfft fest, dass ich – von mir anfangs unbemerkt schon seit einiger Zeit – ganz angekommen war in meinem persönlichen veganen Zeitalter!

    wie leicht es ist, rein pflanzlich zu leben, & wie außerordentlich erfreulich, das stellt man erst rückblickend fest; dann findet man: wäre ich doch bloß schneller & mutiger vorangeschritten! es ist wirklich baby-feder-leicht!

    kürzlich war meine inzwischen seit Jahren vegane Tochter beim Arzt zum BlutCheck, mit allerbesten Ergebnissen in allen Punkten! der Arzt meinte „jaja, die Veganer, die haben immer top Werte; ich bin grad selbst dabei, es mal vegetarisch zu probieren“.

    zwar ist die vegetarische LebensWeise inkonsequent; sie leitet aber doch bei vielen den nächsten Schritt ein, nämlich den zum Veganer. in so fern ist der Schritt in den Vegetarismus sehr begrüßenswert & Hoffnung weckend – für die Tiere, die Natur & überhaupt unseren Planeten, & nicht zuletzt für die Menschen der Welt & die allereigenste Gesundheit.

    alles Gute, liebe Stefanie, auf Deinem geradlinigen Weg mitten hinein in die rein pflanzliche LebensWeise!

    ach so-ja, ein p.s. oder zwei:
    ich empfehle jedem Umsteiger wärmstens, sich einer veganen Gruppe anzuschließen (oder mehrere) in der nächsten Stadt, welche sich regelmäßig trifft (& auf jeden Fall auch im Netz, zB auf facebook die Gruppe „Veganes Zeitalter“ oder „Vegan-Tips für alle“). man fühlt sich dadurch gerade in der AnfangsZeit nicht so unsicher & „fehl am Platz“ & vertritt die gute Sache bald mit sehr viel mehr Überzeugung & Leichtigkeit! & kann sogar Freunde & Verwandte hinzugewinnen (was aus der Unsicherheit des Anfängers sonst nicht gut gelingt) – so können wir viel effektiver die Welt verändern nach unseren Überzeugungen. eine Lawine kommt ins rollen!
    p.p.s.: Soja spielt in meinem SpeisePlan kaum eine Rolle. es gibt so viel anderes inzwischen! ein buntes WunderLand an zu Entdeckendem  🙂

  • #1970

    tre66
    Teilnehmer

    Wie so immer bestimmt jeder noch selber wie er isst.

    Es hat also mit dem Willen zu tun, weil die Möglichkeiten an sich sind zumindest in Deutschland alle gegeben.

    Aber man muss eben dann Abstriche im Geldbeutel oder Bequemlichkeit machen.

  • #4017

    Jorti
    Teilnehmer

    Inkonsequent müsste man doch dann jede gute Tat nennen…. Ist es inkonsequent, wenn ich Wasser sparen will und jetzt trotzdem Hände wasche? Ist es inkonsequent, wenn ich dieser einen Person etwas schenke und dafür einer anderen nicht? Ist es inkonsequent, wenn ich heute vegan esse und morgen dann wieder nicht? Also lasse ich es lieber gleich?

    Mir gefällt es nicht, wenn man so stark wertend an diese Fragen geht.

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