Gibt es einen Unterschied zwischen Palmöl und Kokosöl?

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  • #1815

    Dass man auf Palmöl verzichten sollte, weil dafür Regenwald abgeholzt wird, ist mir bekannt. Gilt für Kokosöl das Gleiche oder kann man es mit gutem Gewissen konsumieren?

    gepostet von Zwetschgen_Mark am 21.06.2013

    Anmerkung der Redaktion:

    Wir wollen einige „Gute Fragen“ aus dem Utopia Website Archiv wieder hervorholen und sie in den Gruppen erneut zur Diskussion stellen. Wir glauben, dass die Antworten dazu spannend und wertvoll für verschiedene Nutzer sein können. Deshalb freuen wir uns auf euren Input.

    Die Antworten in der Gruppe sind mobile abrufbar und erreichen dadurch mehr Nutzer. Deshalb übertragen wir Fragen, die viel Nachfrage verzeichnen, zusätzlich zur „Guten Frage“ in unseren neuen Gruppenbereich.

  • #1816

    Hier sind die bisherigen Antworten auf die ursprüngliche Frage:

    Kastanienbaum antwortete am 22.06.2013 um 00:14

    Ich weiß nur, dass Kokospalmen und Ölpalmen zwei verschiedene Arten sind und dass in der Industrie (Nahrungsmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel … ) weit mehr Palm- als Kokosöl verwendet wird. Deshalb werden wohl die Auswirkungen des Kokosölkonsums, schon allein, weil er viel geringer ist, nicht so fatal sein wie die des Palmölkonsums. Wenn jetzt von heute auf morgen jeder Massen von Kokosöl konsumieren würde, würde wahrscheinlich auch dafür viel Regenwald gerodet.

    So oder so würde ich es in Maßen und bewusst konsumieren; es ist schließlich um die halbe Welt gereist und hat dadurch eine hohe CO2-Bilanz. Und ich würde auf faire Handelsbedingungen achten.

    Nachtrag: Diese X:enius-Ausgabe, in der es um die Kokosnuss geht, finde ich sehenswert: http://www.arte.tv/guide/de/048358-007/x-enius?autoplay=1 Es geht z.B. darum, wie wichtig die Kokospalme für die Einheimischen ist, wodurch sie bedroht ist und was man aus Kokosnüssen so alles machen kann. Leider ist der Beitrag in der Arte-Mediathek nur noch bis heute (29.11.2013) verfügbar.

     

    Himapan antwortete am 16.10.2015 um 15:11

    Hallo, wir haben eine kleine Marke mit Bio-Kosöl, bin also voreingenommen, versuche aber neutral zu bleiben. Ich kenne aber beides von direkt von Thailand, wo ich auch eine Umstellung von Palmöl zu Kokos anrege. Warum?
    Zunächst kann fast jedes Erzeugnis aus den Tropen zur Vernichtung von Regenwald beigetragen haben, egal ob Kokos, Kaffee, Kakao etc. Es ist nicht das Produkt vorrangig entscheidend, sondern die Herkunft/die Farm. Hier ist vor allem Transparenz seitens des Herstellers wichtig, die Siegel können speziell dazu wenig bieten. 100% Vegan sind fast keine Produkte. ZB Müssen bei der Verarbeitung von Lebensmitteln UV-Lampen zur Tötung von Fluginsekten gesetzlich vorgeschrieben im Einsatz sein. Wir und sicher auch ein paar andere haben Maßnahmen entwickelt, um sowas zu vermeiden. Was heißt Vernichtung von Regenwald? Zusammengefasst vor allem dass heimische Wildarten ihre Lebensgrundlage verlieren. Das ist auch in Anbaugebieten von Bedeutung, wo schon seit hunderten Jahren kein Regenwald mehr steht. Auch moderne Entwicklungen, wie Agroforesting werden hier hochgelobt, schneiden aber in Studien nicht sonderlich gut ab im Vergleich zu Wildgebieten. Darum geht es bei jedem landwirtschaftlichen Produkt: Wie gut werden heimische Lebewesen direkt auf dem Anbaugebiet oder in Randgebieten langfristig unterstützt. Die meisten Farmen können dazu jedoch wenig Feedback geben (Ist bei uns in Arbeit und dauert noch mindestens ein Jahr bis erste Ergebnisse da sind).
    Zum Glück lässt sich noch etwas anderes sagen: Oft ist es so, dass die traditionellen, kleinen und vielfältigen Bewirtschaftungsmethoden von früher in Studien recht gut abschneiden. Warum? Weil sie vielfältig sind, viel Erfahrung drinsteckt und weil die Natur Zeit hatte sich allmählich drauf einzustellen.

    Übrigens sind Palmölpalmen so ertragreich, dass sie dem Boden bei intensiver Nutzung und schlechter Bodenpflege stark die Nährstoffe entziehen. Deswegen wird auch fast überall Palmöl angebaut, wegen dem hohen Ertrag bzw Profit. Schlecht geschulte Bauern (bzw gut von der Düngemittelfirma geschult) schmeißen dann unmengen Dünger auf die Felder, der bei dem tropischen Starkregen und schlechter Bodenverfassung stark ausgewaschen wird. Die Nährstoffe landen dann im Meer und geben den schönen Korallen & Co oft neben der Hitze und Schadstoffen dann spätestens den Rest. Kokospalmen sind weniger produktiv und laugen den Boden weniger aus. Grundsätzlich lässt sich aber auch Palmöl (dass ja eigentlich in Afrika heimisch ist und nicht in Asien!) sehr wohl nachhaltig Anbauen und es gibt wirklich tolle Projekte in Afrika, die so finden wir einen enormen Gewinn für Natur und Mensch darstellen.

    Das schlimmste für uns ist der Transportweg. Ökologisch gesehen sind die Containerschiffe der Horror und in den nächsten Jahrzehnten wird sich der Frachtverkehr samt CO2 Ausstoß verdoppeln und zum größten Verursacher von Treibhausgasen aus fossilen Quellen werden. Wenn nichts geschieht. Wir als kleines Unternehmen haben hier kaum eine Chance, weil auch kaum jemand aus der Logistik Branche, der uns bekannt ist Motivation zeigt mitzumachen um für mehr Nachhaltigkeit bei diesem Thema zu sorgen (Solar/Segel!!!) Gute Tipps sind hier sehr willkommen und auch die bedrohten Waale etc werden es sehr sehr danken. Dieses Thema ist hier unglaublich wichtig. Die meisten Massenprodukte (Auch Bio) arbeiten mit Lohnfertigung(quasi ein Arbeitsgang wird dort auf der Welt erledigt, wo er am billigsten ist und oder wo am wenigsten Auflagen existieren) und gerade da werden Transportwege stark erhöht, um den Profit zu mehren.

    Außerdem stelle ich es mir schwer aber nicht unmöglich vor eine Farm nachhaltig zu betreiben, die riesige Märkte in Europa mit hunderten Tonnen Kokosöl oder Palmöl spottbillig beliefert. Alternativ kommen hier Kooperativen ins Spiel. Bei allem ist es jedoch extrem wichtig, dass Bildung, Arbeitsgerät und Land im Besitz der heimischen Familien bleiben und nicht von ausländischen Firmen „wohlwollend“ gemanaged werden. Stichwort ist hier vor allem auch Unabhängigkeit und die Fähigkeit der Einheimischen das Produkt selbst auch noch günstig verwenden zu können.

    Falls jemand Fragen hat, versuche ich gerne soweit mir bekannt Rede und Antwort zu stehen.

     

    Maria_L kommentierte am 16.10.2015 um 16:48

    Danke für Deinen voreingenommenen Post. 😉
    Ich finde es immer gut, wenn sich Praktiker zu Wort melden.

    Eine Sache verstehe ich nicht so ganz:
    Du schreibst: „Das schlimmste für uns ist der Transportweg. Ökologisch gesehen sind die Containerschiffe der Horror“ Das ändert sich ja nicht, wenn man Bio-Kokosöl verwendet. Warum habt Ihr dann dennoch eine Marke für Kokosöl?

    Was wäre aus Deiner Sicht das geeignete Ersatzprodukt aus heimischem Anbau?

    Verstehe mich nicht falsch, ich wollte nicht Euer Geschäftskonzept schlecht reden. Ich kaufe ja auch hin und wieder Bio-Kokosöl oder -Kokosmilch und finde es gut, daß Ihr Euch auch kritisch damit auseinander setzt.

     

    Himapan kommentierte am 16.10.2015 um 22:08

    @Maria: Stimmt das mit dem Transport ändert sich nicht dadurch, dass man Bioprodukte nimmt. In fast allen käuflichen Produkten steckt mindestens indirekt Containerschiff-transport drin und wenn es nur die Farbe auf dem Papier ist oder das Metall für die Sense.

    Der Unterschied ist halt der, dass wir als Firma im internationalen Handel so aktiv daran beteiligt sind und solche Werften durch Aufträge unterstützen. Wir sehen ganz klar, dass wir durch unsere Unternehmerische Tätigkeit für sowas die Verantwortung mitragen müssen (Erheblicher Lärmsmog in den Meeren, sterbende Meeressäuger, riesige Mengen „fossiler“ Treibhausgase,…).
    Es wäre so einfach die Schiffe mit Segeln und Solarenergie zu betreiben und muss halt thematisiert werden und auch öffentlicher Druck gemacht werden.
    Die Verbraucher, die irgendetwas kaufen haben natürlich auch Verantwortung dafür 😉

    Regionale Ersatzprodukte für Kokosöl? Für welchen Zweck denn? Zum Essen oder für die Haut?  Fast jedes Öl ist etwas besonderes, muss aufwendig gepresst werden und hat eigene, wunderbare Eigenschaften, die sich oft nicht mit anderen Ölen vergleichen lassen. Ich bin immer für Abwechslung, natürliche Qualität und faires Wirtschaften.  Für Salate find ich Kürbiskernöl super. Es soll auch super für die Kopfhaut sein. Von den Inhaltsstoffen zum Essen kann ich auch Leinöl empfehlen (zb Vit E) oder Hanföl (das ohne Rauschwirkung).
    Nur zum Braten oder sogar Backen eignen sich diese Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren nicht. Da würde ich dann noch wenn überhaupt am ehesten Rapsöl empfehlen oder ab und zu mal Olivenöl (Braten), nur bitte nicht so stark erhitzen. Ernährungsphysiologisch hat Kokosöl noch ein paar Besonderheiten, da ist mir jetzt bei den Ölen in Europa nichts bekannt drüber. Da möcht ich aber jetzt nicht den Rahmen sprengen.

    Seifen kochen ist auch nochmal ein anderes Thema, da kommen dann sowieso auch mehrere Fette gemischt zum Einsatz.

     

    Maria_L kommentierte am 16.10.2015 um 22:19

    Danke, ja das ist auch meine Einschätzung.
    Es gibt ja wirklich tolle Öle direkt von regionalen Erzeugern.
    Und natürlich auch gerne Olivenöl.
    Leider sind unsere Quellen von diversen italiensichen Bekannten z.T. wegen den Oliven-Krankheiten im letzten Jahr versiegt.
    Olivenöl wird ja auch gerne für Seifen verwendet.
    Das ist aber eigentlich schade.

    „Ernährungsphysiologisch hat Kokosöl noch ein paar Besonderheiten, da ist mir jetzt bei den Ölen in Europa nichts bekannt drüber.“
    Ja diese Besonderheiten sind mir bekannt.
    Es hätte mich interessiert, wie man die ersetzen könnte.
    Aber wenn Du auch nichts weißt…

     

    dave2001 antwortete am 26.06.2013 um 09:59

    Ich habe mich auch schon gefragt, warum es in so vielen Produkten Palmöl gibt, selbst im Reformhaus, z:b bei der Alsan Margarine. Ich nutze gar kein Palmöl , obwohl man da echt genau schauen muss.
    Wegen dem Regenwald: Das ist nicht nur ein Problem für das Klima , die Bewohner auf Sumatra oder Borneo, sondern auch für die Orang-Utans, steht hier auch zusammengefassst: http://xn--palml-mua.info
    Und zum Kokosöl: Ich habe noch nie einen kritischen Beitrag dazu gelesen und Kokosprodukte allgemein werden schließlich auch in großen Mengen hergestellt . Wenn man die Transportwege mal außer Acht lässt, kann man sie bedenkenlos konsumieren. Verstehe auch nicht, warum Palmöl nicht komplett durch Kokosöl ersetzt wird.

     

    Kastanienbaum kommentierte am 26.06.2013 um 12:27

    Wenn Palmöl komplett durch Kokosöl ersetzt würde, müssten ganz viele neue Kokospalmplantagen angelegt werden und man hätte wahrscheinlich dasselbe Problem … vermutlich ist Palmöl auch billiger in der Herstellung oder vielleicht ergiebiger.

    Viel besser wäre es, die Hersteller griffen auf heimische Öle zurück wie Raps- oder Sonnenblumenöl oder meinetwegen auch auf Olivenöl aus Südeuropa.

     

    eMatt kommentierte am 26.10.2013 um 00:14

    Palmöl ist in der Tat höher im Ertrag pro Fläche und zwar nicht nur als Kokosöl, sondern als alle anderen Pflanzenöle. Das Problem ist halt eben, dass es in riesigen Monokulturen angebaut wird, wofür Regenwald gerodet wird. Da Kokospalmen bisher noch nicht in so großem Stil angebaut werden, weil Kokosöl noch nicht so stark nachgefragt wird, ist es (noch) unproblematisch(er). Trotzdem würde auch mich mal ne verlässliche umfangreiche Quelle interessieren. Nicht mal Rettet den Regenwald schreibt was zu Kokosöl/-palmen.

     

    Birkenstock antwortete am 23.08.2013 um 10:51

    Gut zu wissen 🙂 Ich liebe Kokosöl und werde es weiterhin benutzen .
    Jetzt auch mit ruhigem Gewissen 🙂

     

    Kokosoel antwortete am 10.11.2013 um 11:06

    Die Kokosnüsse werden von Hand oder mit trainierten Affen geerntet, also relativ umweltfreundlich und nachhaltig. Eine Kokospalme braucht gut 10 Jahre bis Sie die besten Früchte trägt und somit werden die Palmen auch bestens behandelt. Die Kokosnuß Bauern behandeln somit die Palmen sehr vorsichtig weil 10 Jahre schon eine Lange Zeit sind. Klar ist der Transport der Ursprungsländer relativ weit, aber Orangen z.b. kommen ja auch net aus Bayern 😉

    Hier habe ich einige verschiedene Kokosöle (alle Bio) gefunden: http://ombio.de/Kokosoel
    Dabei stehen viele Infos von den verschiedenen Herstellern. Vielleicht hilft das ja auch weiter. Ich persönlich bin ein richtiger Kokosöl Fan und nutze es zum Kochen oder auch für meine Haare…

    Grüße Patti

     

    brainstuff antwortete am 11.09.2015 um 23:47

    Vor 30 Jahren hat man „Palmin“ zum Fritieren empfohlen … das war ein „festes Öl“ es wurde erst flüssig beim Erhitzen (das waren weisse Blöcke, wie Magarine) .. war das nun Palmöl oder Kokos-Öl?

    Veganer_Friedener kommentierte am 16.10.2015 um 11:10

    Palmin® ist ein 100% reines Kokosfett (http://www.palmin.de/produkte.html).

     

    Veganer_Friedener antwortete am 16.10.2015 um 11:23

    Palmöl ist nicht vegan (https://www.facebook.com/groups/461491373891506)

     

    Maria_L kommentierte am 16.10.2015 um 13:01

    Ich finde diesen Ausdruck bzw. Namen der Gruppe so nicht OK.
    Mit dem Argument der Lebensraum-Vernichtung ist auch Soja und Raps-Öl nicht vegan.

    Es gibt sicher auch Palmöl, für das kein Lebensraum für Tiere zerstört wurde.
    Also bitte eine Formulierung verwenden, die weniger reißerisch und und mißverständlich ist.

  • #2372

    henning_r
    Teilnehmer

    Palmöl und Kokosöl, werden von zwei verschiedenen Palmenarten gewonnen. Palmöl wird in Monokulturen angebaut, besonders in Malaysia ist dies erschreckend sichtbar. Hier sind nahezu 100% des Primärregenwaldes schon der Palmölindustrie zum Opfer geworden.

    Kokosöl wird von der Kokospalme gewonnen. Industrielle Plantagen sind selten und wenn vorhanden, dann wird hier in Mischkulturen angebaut, da unter den hohen Kokospalmen gut Kaffee, Kakao, Bananen und auch Pfeffer angebaut werden kann. Dies ist je nach Land unterschiedlich.

    Mehr zu Produktion und Fair Trade von Kokosöl könnt ihr auch hier nach lesen:   http://klarekopfsache.de/der-grosse-kopfsache-kokosoel-guide-qualitaet-wirkung-anwendungsbereiche/

    Allgemein sollten wir versuchen weniger Palmöl zu konsumieren, da immer noch jedes Jahr Regenwald gerodet wird, um den Bedarf in den Industriestaaten zu decken.

    Kokosöl ist hingegen unbedecklich, da es zumeist von Plamen geerntet wird, die wild wachsen.

    Viele Grüße

    Henning

     

     

     

     

     

     

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