Datenschutzbeauftragter im Job – Ausbildung machen?

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  • #1573

    juttar
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    Bei der Preisgabe persönlicher Daten im Internet bin ich sehr kritisch. Besonders Google und Facebook traue ich nicht, beide Unternehmen sammeln beängstigend viele Daten – und wer weiß, was sie daraus alles ableiten können. Panisch reagiere ich deshalb nicht (zusätzliches Verschlüsseln von E-Mails oder ähnliches), aber ich sage den Leuten gerne, dass sie mit ihren persönlichen Daten im Internet vorsichtig sein müssen.

    Im Unternehmen hat sich dies herumgesprochen, mein Chef kam deshalb auf die Idee, ich könnte mich bei uns um den Datenschutz kümmern. Aber zugegeben: Ich kenne mich mit dem betrieblichen Datenschutz überhaupt nicht aus. Doch wegen meiner Einstellung meint er, ich sei wohl die Richtige für den Job. (Außerdem braucht er händeringend einen Mitarbeiter, der Datenschutzbeauftragter wird, was wohl an der Unternehmensgröße liegt).

    Wir haben niemanden, der sich mit Datenschutz, Datensicherheit und Datenschutzvorschriften wirklich auskennt. Deswegen bekomme ich die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Datenschutzbeauftragten zu machen. Es gibt einen mehrwöchigen Datenschutz Kurs beim TÜV, der am Ende eine Prüfung vorsieht und mit Zertifikat abgeschlossen wird.

    Nun meine eigentliches Anliegen. Ich habe grob im Internet recherchiert und festgestellt, dass der Datenschutz ein komplexes Thema ist. Google-kritisch zu sein, genügt nicht. Da geht es um gesetzliche Datenschutzvorschriften (z.B. aus dem Bundesdatenschutzgesetz). Mein Wissen darüber: absolut Null! Habe zwar schon ein wenig im Netz recherchiert, aber durchblicken tu ich nicht.

    Deshalb weiß ich nicht, ob ich der Aufgabe wirklich gewachsen bin. Kennt sich von euch jemand mit Datenschutz aus oder hat sich jemand mal in einer ähnlichen Situation befunden. Eigentlich bin ich in meinem Job glücklich, d.h. ich muss nicht zusätzlich Datenschutzbeauftragte sein. Andererseits könnte es meiner Karriere natürlich helfen, weshalb ich verunsichert bin.

    Außerdem würde mein Chef Geld in meine Ausbildung investieren müssen. Aber was ist, wenn ich nicht bestehe? Ich bin wirklich verunsichert und er will eine zeitnahe Entscheidung.

  • #1574

    juttar
    Teilnehmer

    ähm vielleicht noch ein kleiner Nachtrag. Ich habe gesehen, dass die Kategorie „Unternehmen und Wirtschaft“ lautet. Mein Thema geht ja eher in Richtung „Karriere“ – das ist hoffentlich trotzdem in Ordnung!?!

  • #1575

    Maria_L
    Teilnehmer

    Ich finde, Du solltest die Chance unbedingt nutzen.
    Das Thema ist brandaktuell.
    Jeder weiß, daß die Firmen wie Google, Facebook lasch mit unseren Daten umgehen. Und jeder weiß, daß diese Firmen sicher nicht so schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden – bzw. neue Firmen nachwachsen, die es auch nicht besser machen.

    Wir leben in einem Land, wo der Datenschutz noch relativ ernst genommen wird.
    Das soll auch so bleiben.

    Mach Dir doch einfach mal eine Liste mit Vor- und Nachteilen und schaue, was für Dich überwiegt:

    Vorteile, die ich sehe:
    – Du lernst viele interessante Dinge über ein Thema, das Dich interessiert
    – Du lernst Leute kennen, die sich auch für das Thema interessieren
    – Du wirst in Deiner Firma nicht so leicht austauschbar sein
    – Du wirst in anderen Firmen willkommen sein, wenn Du mal wechseln möchtest

    Nachteile:
    – die Ausbildung kostet Zeit (frage Deinen Chef, welche Erleichterung Du in der Zeit haben kannst, also keine Überstunden ect. damit Du Zeit zum lernen hast)
    – es ist Dir peinlich, wenn Du nicht bestehst (die Prüfung kann man sicher wiederholen)
    – es ist eine gewisse Verantwortung, die Du später trägst.

    u.s.w.

    Offensichtlich hast Du ja einen Chef, der Dich unterstützt und halten möchte, sonst würde er Dir das nicht anbieten.
    Rede einfach mit ihm über Deine Ängste.
    Erkundige Dich vorher, ob und wie lange Du an die Firma gebunden bist, wenn Dein Chef die Ausbildung zahlt – auch wenn Du aktuell nicht vor hast zu wechseln.

    Vielleicht gibt es im Netz Foren oder eine Gruppe in FB, wo Du Dich mit Leuten austauschen kannst, die die Ausbildung gemacht haben.
    Frage die doch einfach mal, ob sie es noch mal machen würden.

  • #1577

    hoffomatin
    Teilnehmer

    Hm… also die Frage ist doch, bist du in deinem Job glücklich oder willst du Karriere machen? Klar, beides muss sich nicht ausschließen. Aber Datenschutz klingt recht anstrengend, vor allem wenn du sonst nichts damit zu tun hast.

    Aber Maria hat die ja toll Mut gemacht. Wäge alle Optionen ab!

  • #1579

    martinjs
    Teilnehmer

    Ist wirklich ein brandaktuelles aber sichlich anspruchsvolle Thema. An deiner Stelle würde ich mal schauen, ob du jemand findest, der in einem anderen Unternehmen eine ähnliche Position inne hat.

  • #1580

    juttar
    Teilnehmer

    Danke für eure bisherigen Antworten. Derzeit bin ich hin- und hergerissen. Auch hier gehen die Antworten ja in verschiedene Richtungen. Was mir Angst macht, ist der Umfang des Themas. Außerdem bin ich im aktuellen Job auch schon genug ausgelastet.

    Online habe ich im Wochenverlauf schon intensiv recherchiert und u.a. festgestellt, dass es auch für meinen Chef eine Alternative gibt. Wir müssen uns nicht selbst um den Datenschutz kümmern, ebenso könnte das ein externer Anbieter übernehmen. Zumindest verstehe ich das so: https://www.mein-datenschutzbeauftragter.de/interner-und-externer-datenschutzbeauftragter-im-vergleich/

    Bin ernsthaft am Überlegen, ob ich das nicht vorschlagen soll. Wir können bestimmt Angebote bei verschiedenen Anbietern einholen und auswerten. Da ich im Einkauf durchaus Erfahrung sammeln konnte, werden gewisse Möglichkeiten bestehen. Oder wir stellen doch irgendeinen jungen computer-affinen Mitarbeiter ein, der mehr Erfahrung hat. Ich weiß, hört sich nun so an, als ob meine Stimmung ein wenig gedämpft ist und ich anfänglich zu euphorisch war…

  • #1581

    juttar
    Teilnehmer

    Aber eine gute Sache hat diese ganze „Entwicklung“: ich bin mir wieder darüber klar geworden, dass ich meinen Job zwar gerne und darin engagiert bin, ich haber kein Karrieremensch bin. Im Lauf der Jahre hat sich gezeigt, dass ich mit dieser Einstellung mehr Lebenqualität genieße!

  • #1584

    Maria_L
    Teilnehmer

    @juttar, Du schreibst „Oder wir stellen doch irgendeinen jungen computer-affinen Mitarbeiter ein, der mehr Erfahrung hat.“

    Meines Wissens ist der Job nicht so umfangreich, daß man dafür einen Mitarbeiter einstellen muß. Außer natürlich in größeren Firmen.

    Das ist eher so, wie jeder Betrieb ab x Personen eine Person als Erste-Hilfe-AnsprechpartnerIn benennen muß.

    Die Person macht dann einen Kurs, der Name steht auf einem Aushang  und die Person betet, nie gebraucht zu werden.
    Wenn doch, dann ruft sie den Notarzt und legt bis zu dessen Eintreffen den Patienten in eine stabile Seitenlage.
    Ich denke mir, so ähnlich ist das bei dieser Ausbildung auch, daß man ErstansprechpartnerIn ist und dann entscheidet, ob und wann Experten hinzu gezogen werden.

    Aber klar, ich würde mir auch nichts aufdrängen lassen, worauf Du keine Lust hast. Und ganz genau klären, welche Erleichterungen Dir zum Ausgleich angeboten werden würden.

    Deine Einstellung bezüglich mehr Lebensqualität finde ich sehr gesund.
    Das schaffe ich erst, seit ich Selbständig bin.

    Seit dem bin ich potentielle Ersthelferin, Datenschützerin, Programmiererin, Technikerin, Marketingfachfrau und Verkäuferin in Personalunion.
    Aber nur wenn ich mag…;-)

  • #1588

    martinjs
    Teilnehmer

    @maria_l – da habe ich großen Respekt vor! Aber du wirst sicherlich auch den passenden Arbeitgeber gefunden haben. Bei uns wäre das undenkbar, da alles recht bürokratisch abläuft.

  • #1589

    Maria_L
    Teilnehmer

    @martinjs, ja den Arbeitgeber habe ich gefunden: Mich. 😉
    Ich bin seit 9 Jahren selbständig…hatte ich ja geschrieben.

  • #1591

    martinjs
    Teilnehmer

    @maria_l Da habe ich die entscheidende Zeile überlesen, weil mich der folgende Abschnitt so überrascht hat! 😉

  • #1592

    juttar
    Teilnehmer

    Also irgendwie bin ich hin- und hergerissen. Wie es scheint, müssen wir beim Datenschutz doch erst einmal etliche Dinge erfassen und auf Spur bringen. Ich weiß nicht, ob ich das als frisch gebackene Datenschützerin hinbekomme. Aber wenn das gelingt (wohl am besten mit professioneller Unterstützung) könnte ich mir schon vorstellen, im Anschluss überwachend tätig zu sein. Jetzt muss nur noch mein Chef derselben Meinung sein.

  • #1593

    juttar
    Teilnehmer

    Chef war von der Idee weniger begeistert, weil er doppelte Kosten befürchtet. Aber das muss nichts heißen. Wir haben beschlossen, ein oder zwei externe Anbieter vorstellig werden zu lassen und hören uns das mal an.

     

    Damit kann ich gut leben, bin mal gespannt, was dabei herauskommt.

  • #1595

    Maria_L
    Teilnehmer

    Ja finde ich auch interessant.
    Zu klären wäre auch, welches Haftungs-Risiko Du eingehst.

    Die Kombination aus Aufräumen mit externer Unterstützung und anschließend Betreuung im Haus klingt doch sehr gut.
    Da kann man sich ja auch mal ein Angebot erstellen lassen, was die schätzen, wie viele Stunden regelmäßiger Support aufgebracht werden kann.

    Dann kriegt Dein Chef auch mal eine Idee davon, welcher Aufwand das für Dich wäre und für welchen Zeitraum er Dich von anderen Aufgaben entlasten müßten.
    Stichwort: Wertschätzung 😉

     

  • #1603

    juttar
    Teilnehmer

    Dann kriegt Dein Chef auch mal eine Idee davon, welcher Aufwand das für Dich wäre und für welchen Zeitraum er Dich von anderen Aufgaben entlasten müßten.
    Stichwort: Wertschätzung

    Die Wertschätzung habe ich zum Glück schon 🙂 Deshalb wurde mir die Möglichkeit angeboten. Aber ich bin mittlerweile auch etliche Jahre im Unternehmen.

  • #1604

    juttar
    Teilnehmer

    Ach ja, das mit dem Haftungsrisiko ist wirklich so eine Sache. Ich will natürlich am Ende nicht allein schuld sein, wenn beim Datenschutz irgendetwas schief gegangen ist. Aber soweit ich das bisher recherchieren konnte, liegt das Risiko nicht beim Datenschutzbeauftragten, sondern beim Unternehmen. Auch das muss ich mit meinem Chef noch besprechen.

  • #1605

    Maria_L
    Teilnehmer

    Ich denke auch, daß Haftung ausgeschlossen ist, außer Du handelst grob fahrlässig. Aber fragen kostet nichts.

  • #1668

    juttar
    Teilnehmer

    Inzwischen bin ich einen großen Schritt weiter. Kurz gesagt: Das Thema Datenschutzbeauftrage ist für mich größtenteils durch. Die Aufgaben sind vielfältig und es würde noch eine ganze Weile dauern, bis ich richtig durchstarten könnte. Wir haben einen externen Anbieter gefunden, der sofort loslegen kann. Eigentlich bin ich ganz froh darüber.

  • #1672

    hoffomatin
    Teilnehmer

    klingt doch eigentlich ganz gut. Vor allem finde ich es schön dass du / ihr mehrere Möglichkeiten geprüft habt. Jetzt hast du zumindest weniger Stress.

  • #1692

    juttar
    Teilnehmer

    naja, weniger Stress ist relativ. Aber ich mache meinen Job gerne!

  • #1702

    martinjs
    Teilnehmer

    Gratulation, hört sich für mich nach einer wohl überlegten Entscheidung an. Zugegeben, für mich selbst wäre so ein Datenschutz Job mit Sicherheit gar nichts. 😉

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