Alles ist Europa schuld – aus Brüssel kommt nix Gutes ??

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    idgie
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    Das Image von Europa könnte besser sein.
    Woher kommt das und ist das wirklich gerechtfertigt?
    Mein Eindruck – egal, was passiert oder besser nicht passiert, Europa ist schuld.

    In Italien stürzt eine Brücke ein – Brüssel ist schuld.
    Krumme Bananen dürfen nicht verkauft werden – Brüssel ist schuld.
    Es gibt zu wenig Kindergartenplätze – Brüssel ist schuld.
    Bezahlbare Wohnungen sind schwierig zu finden – Brüssel ist schuld.

    Ob Behörden schlampen, der Amtsschimmel mal wieder kräftig wiehert oder einfach die Mühlen viel zu langsam mahlen.
    Europa ist schuld.

    Brüssel , Straßburg und die Europäische Politik dienen als Sündenbock für jedwede Verfehlungen.
    Wen wundert es dann noch, dass in vielen europäischen Ländern die Skepsis wächst und immer mehr Parteien mit eindeutig Europa-kritischen Inhalten an die Regierung kommen.

    Das europäische Parlament ist weit weg und kann sich schlecht wehren, also ist es einfach, wenn lokale Behörden sich mit europäischen Regularien rausreden und aus der Verantwortung stehlen können.

    Das erzeugt Europamüdigkeit. Eine Auswirkung zeigt sich in England. Der Brexit ist längst beschlossene Sache.Hauptsache raus aus Europa, das war der allgemeine Tenor.
    Europa kostet viel und bringt nix, alleine sind wir stärker – so dachte man in England.
    Aber jetzt kommt mehr und mehr die Realität in’s Bild und man stellt fest, eigentlich will man die Vorteile des europäischen Marktes aber doch nicht missen.

    Nicht mehr zahlen, keine Pflichten aber doch alle Rechte und alle Vorteile genießen??Also, echt jetzt – so geht es nicht.

    Europa ist eine Solidargemeinschaft. Zumindest sollte es das sein oder es war ursprünglich mal so gedacht. Aber jetzt steht Abschottung wieder hoch im Kurs, offene Grenzen sind zum Teil Vergangenheit, Schengen besteht nur noch auf dem Papier. Die Staaten mit Außengrenzen wie Italien und Malta  werden mit dem Flüchtlingsproblem allein gelassen und quasi der gesamte östliche Teil Europas weigert sich einfach mal, sich an Problemlösungen zu beteiligen. Solidarität Fehlanzeige!

    Man kann nicht einerseits Hilfe und Unterstützung fordern, EU Gelder einkassieren, andererseits aber jegliche Form von Gemeinschaftlichkeit bei wichtigen Themen schlicht verweigern.

    Sicherlich kann und muss vieles verbessert werden. Nicht alles läuft rund in Brüssel und Straßburg, keine Frage. Der Gedanke von einem vereinten Europa steht noch ganz am Anfang und es gibt noch viel zu tun.

    Aber dann sollten wir eben alle zusammen an diesem Ziel arbeiten, statt die gute Idee wegen ein paar Schönheitsfehlern zu torpedieren.
    Vielleicht verkauft sich die Idee Europa einfach schlecht?
    Vielleicht sollten die Vorteile mehr in den Vordergrund rücken?
    Vielleicht sollten wir – jeder einzelne von uns –  uns einfach mehr als Europäer fühlen?

    Die Organisation Pulse of Europe ist diesbezüglich genau auf dem richtigen Weg.

    „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es auch in Zukunft ein vereintes, demokratisches Europa gibt – ein Europa, in dem die Achtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlagen des Gemeinwesens sind. Die Demonstrationen und Aktivitäten zeigen, dass es viele Leute gibt, die sich für ein lebendiges, weltoffenes Europa einsetzen wollen.“
    https://pulseofeurope.eu/de/
    Endlich kann man mal FÜR etwas demonstrieren und Flagge zeigen, statt immer nur dagegen zu sein.
    „Das Zusammenspiel von Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit, freiem Waren- und Zahlungsverkehr ist Grundlage des Binnenmarkts und Voraussetzung für individuelle Freiheit und Wohlstand in Europa. Zukunftsfähig ist aber nur eine nachhaltige Wirtschaft.“

    Die Entscheidungen des europäischen Parlaments gehören mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Information ist der Schlüssel. Die europäische Politik muss transparenter werden, muss besser vermittelt werden, damit Verständnis dafür aufkommen kann.

    Europa muss sich besser „verkaufen“, sich besser darstellen. In der Weltöffentlichkeit aber auch seinen Bürgern gegenüber.

    Besinnen wir uns auf die Vorteile der europäischen Gemeinschaft und machen wir uns bewusst, dass wir diese wertschätzen müssen.
    Reichere Staaten profitieren zum Beispiel davon, ihre Waren zollfrei in andere Mitgliedsländer zu liefern und zu verkaufen. Ärmere Länder profitieren durch Unterstützung. Der Beitritt zur europäischen Union verspricht eine Verbesserung der Infrastruktur, eine Belebung der Wirtschaft, mehr Wohlstand, mehr Arbeitsplätze, eine höhere Lebensstandard und und und..
    Wir als Bürger Europas genießen die Reisefreiheit, wir können ohne Formalitäten über offene Grenzen, vielfach einfach mit Euros bezahlen, problemlos und kostengünstig aus dem Urlaub nach Hause telefonieren, ein Auslandsstudium realisieren, WLAN Netze nutzen, haben verbesserten Verbraucherschutz z.B. bei Haustürgeschäften etc.

    Der Führerschein kann in allen Ländern genutzt werden, die Berufsqualifikation wird anerkannt, die Rente kann auf Mallorca genossen werden und es gibt grenzüberschreitende Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung…

    Städte und Gemeinden profitieren vom  Austausch mit Partnerstädten, wir können fremde Menschen und Kulturen kennenlernen, Horizonte öffnen.

    http://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/priorities/vorteile-der-eu

    Die politischen Zustände entwickeln sich teilweise Besorgnis erregend.

    Auch in vielen Ländern Europas wackeln demokratische Grundrechte wie Pressefreiheit und Meinungsfreiheit.
    Das dürfen wir nicht tolerieren.  Es muß mehr passieren als Sonntagsreden von Emanuel Macron, um Leuten wie Viktor Orban Paroli bieten zu können.

    Die Entwicklung in den USA zeigt, dass Europa sich nicht mehr auf ehemalige Verbündete verlassen kann und darf. Europa muss mit einer Stimme sprechen und sich als global Player darstellen können.
    Wir müssen eine gemeinsame Linie zeigen, eine eigene europäische Identität  entwickeln, um unsere Position in der Welt verteidigen zu können. Eine eigenständige, starke Außen- und Sicherheitspolitik als Europa wird immer wichtiger.
    Nur gemeinsam können wir anstehende, länderübergreifende  Probleme lösen – ob Atomkraft oder Terrorismus, es kann nur gemeinsame Anstrengungen geben.

    28 europäische Staaten mit ca. 506 Millionen Menschen sind eine wirkliche Macht.

    Wir müssen in unseren Köpfen mehr und mehr zum Europäischen Bewusstsein kommen.

    Eigentlich sollten wir uns sogar als Weltbürger fühlen. Wir sind umgeben von globalen Problemen, die sich auch nur auf globaler Ebene lösen lassen.
    Es gibt keine abgeschlossenen Marktwirtschaften und Systeme mehr, alles hängt mit allem zusammen.
    Globale Missstände wie der Klimawandel machen vor keiner Grenze halt.

    Wir sind das Volk, wir sind Europa.
    Bono und U2 haben kürzlich auf ihrem Konzert die europäische Fahne geschwenkt. Kein schlechter Gedanke. Die nächste Demo von Pulse of Europe bietet JEDEM die Chance, für eine gute Sache Flagge zu zeigen.

    Aber es gibt natürlich auch andere Wege, für Europa einzutreten ob in den sozialen Netzwerken oder am Stammtisch, wenn mal wieder über Brüssel geschimpft wird.

    Die Abstimmung bezüglich Zeitumstellung hat gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die mitbestimmen möchten.

    Eine gute Gelegenheit dafür sind die Europawahlen im kommenden Jahr.

    Die Partei Demokratie in Bewegung ruft dazu auf, gemeinsam ein Programm für europäische Politik zu gestalten.

    https://bewegung.jetzt/2018/04/18/15-minuten-fuer-die-europaeische-bildung/

    Mehr Bürgerbeteiligung ist mit Sicherheit ein wichtiges Thema, das auch andere Parteien aufgreifen sollten. Dann verstärkt sich der Eindruck, dass Politik mit uns und nicht gegen uns gemacht wird. Vielleicht ist dann auch die Wahlbeteiligung mal deutlich besser als zuletzt üblich.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl_2019

    „Europa ist unsere Zukunft, sonst haben wir keine.“ Hans-Dietrich Genscher

  • #4078

    Denkenderbuerger

    Zum Thema „aus Brüssel kommt nichts Gutes“ mal ein kleines Video …

  • #4094

    idgie
    Teilnehmer

    *Daumen.hoch*

    vielen Dank dafür

    • #4098

      Denkenderbuerger

      Wenn die EU nicht schleunigst ein paar grundlegende strukture Reformen durchführt, wird das Ganze ein böses Ende nehmen und die EU an sich selbst zerfallen.

  • #8453

    Dzeko
    Teilnehmer

    Sehr interessanter Beitrag.
    Ich muss dir zustimmen teilweise, denn Brüssel hat manchmal auch ganz gute Entscheidungen getroffen. Aber das was man in der letzten Zeit hört ist wirklich nicht so ganz angenehm.
    Aber es muss natürlich jeder für sich entscheiden was er glauben will.

    Bei mir ist es so, dass ich mich gerne auch informiere und immer auf dem laufenden bin wenn es um die Welt und einfach die Geschehnisse in der Welt geht.
    Zum Beispiel habe ich auch ein schweizer news portal gefunden, da informiere ich mich auch in der letzten Zeit über die neuen Sachen die passieren.

    Wie sieht es aus bei dir ?

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